Kirchengemeinde Neukirchen

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25927 Neukirchen

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Liebe Gemeinde, (dieser Text ist etwas länger als die Aufnahme auf dem AB unter der Telefonnummer 04664 983229. Technisch bedingt konnte ich dort nur 170 Sekunden sprechen. Ich habe deshalb frei gesprochen gekürzt.)


Corona - jetzt hat`s uns erwischt. Aber voll. Verdammt.


Bleib mal cool. Selbst der härteste Scheiß geht irgendwann wieder vorbei...“,

Dieses Lied von Udo Lindenberg, singt Stephan Pusch. Der Landrat vom Kreis Heinsberg vom zeitweise am schwersten betroffenen Ort Deutschlands.


Er will mit dem Lied von Udo Lindenberg den Betroffenen und den Helfern in der Corona-Krise ein wenig Mut machen. Er singt es so schrecklich schief, dass es etwas weh tut in den Ohren. Und das passt auch wieder. Corona: Die Krone. Die Krönung aus Schmerz. Corona. Wie tut das weh!


Vor allem natürlich denen, die infiziert und erkrankt sind und die in Europa, den USA, der ganzen Welt, behandelt werden. Manchmal unter unter unvorstellbar grauenhaften Bedingungen. In Italien starben jetzt bereits 10000 Patienten.


Oft unter schlechten medizinischen Bedingungen qualvoll und auch einsam und verlassen. Sogar ohne ihre Liebsten an ihrer Seite, weil alles unter Quarantäne steht.


Das tut weh, wie die Krankenpflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte oft erfolglos und mancherorts mittlerweile völlig ausgebrannt, gegen das Leiden und Sterben ankämpfen. Jetzt sogar offiziell über Leben und Tod nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip entscheiden sollen.

Seit dem zweiten Weltkrieg gab es so eine Situation nicht, sagte die Kanzlerin in ihrer Ansprache an die Bevölkerung. Tatsächlich. Ich habe es zuerst auch nicht so recht wahr haben wollen. Aber: So ist es.


Corona. Das tut weh. Das macht mich hilflos. Ohnmächtig. Auch ich als Pastor spüre meine Angst und die Angst in den Augen vieler Menschen auf der Straße. Beim Einkaufen. Einem plötzlichen Aufeinandertreffen.


Wir alle erleben grad „den härtesten Scheiß!“ hautnah.


Alle die jetzt noch arbeiten dürfen, die unter doppeltem Stress sind. Die Arbeit und die Gefahr der Ansteckung.


Mütter und Väter durch die neusten Maßnahmen wie Kita und Schulschließungen mit Vielfachbelastungen. Oft neben dem Job draußen oder Homeoffice arbeiten sie auch noch als BetreuerInnen, ErzieherInnen, LehrerInnen für ihre Kinder, die Hausaufgaben von zu Hause aus machen müssen. Da ist der Haushalt, Kochen, Putzen. Und dann - am Telefon wegen der Ansteckungsgefahr- noch die Eltern und Großeltern die isoliert abwarten müssen.


Boay. Mein Gott. Das ist hart. Hölle.


Ich schaue aus dem Fenster. Schönstes Frühlingswetter. Unwirklich irgendwie.


Ich träume vom Harz. Dorthin wollte ich diesen Winter fahren. Mit meinen Jungs. Männerurlaub. Langlauf.  Sonnenberg. Mit diesem Idiotenhügel, den sogar ich schaffe.  Es muss für mich nicht Südtirol sein. Schon gar nicht bei Klima und auch bei Après verzichte ich. Ist ja auch Fastenzeit grad. Doch zuerst war im Mittelgebirge kein Schnee. Und jetzt ist Schnee aber alles leer: Corona.


Ich gehe raus auf den Friedhof. Einmal um die Kirche. Weiter nicht. Trotzdem Herrlich. Dieses wundervolle, jahrhundertealte, beständige Gebäude. Durch alle Pestilenz - wie es Luther manchmal im Psalm oder Kirchlied formuliert hat.


Ich mache einen Meditationsgang. Ich stelle mir ein Kloster vor, in dem früher die Nonnen und Mönche im Kreuzgang oder im Hof meditierend und betend langsam - Schritt für Schritt – gingen.


Geh doch einmal ein Stück mit, liebe Hörerin, lieber Hörer:


Genieße einen Augenblick die geschützte Wärme an der Südseite der Kirche. Dann den Schatten und die Kühle auf der Nordseite. Die altehrwürdigen Bögen der beiden Eingänge. Süd. Und Nordeingang.


Ein paar Schritte weiter Richtung Osten: Das Holz und die Schmiedearbeiten der Sakristeitür.


Dann zurück zur sonnendurchfluteten Südwand. Mit Sitzbank, die mich einlädt zu verweilen. - Sie im Rücken.  - Die uralte Kirche unserer Vorfahren bis heute, denke ich. Es tröstet mich. Schenkt mir Sicherheit in unsicherer Zeit.


Ich schaue auf die Gräber. Schön bewachsen und schon hier und da stehen Osterglocken. Aber ein Gedanke: Der Tod lauert. Wann liegst du da?


Da fällt im Weitergehen mein Blick auf den Griff der Südtür. Das Symbol der Christen, der Taufe, der Auferstehung mitten im Tod. Ostern: Der lebendig wirkende Fisch aus Messing, zu dem die Türklinke kunstvoll gefertigt ist.


Und es fällt mir wie Schuppen von den Augen, was ich da sehe, bei uns in Neukirchen: Hier ist er ja der Sonnenberg. Nicht im Harz, sondern mitten im nordfriesischen Neukichen.


Sonnenberg : Wie ein leuchtendes Denkmal des Lebens - mitten in der Krise.


Zwischen Leid und Licht. Kälte des Todes und Wärme der lebensspendenden Sonnenstrahlen. Dem Grau der Steinquadrate der Gräber und den herrlichen Farben der Blüten und Knospen des erwachenden Lebens.


Die Kirche als Festung in allem was uns Angst macht.

Hier ist immer noch Gott. Und er bleibt es auch. Wie schon Jahrhunderte überall in fast jedem größeren Dorf. Auch wenn die Kirchentüren geschlossen werden mussten: Hier ist immer noch Hoffnung, Glaube, Liebe und Leben. Begegnung. Menschlichkeit.


Und dann – kannst Du es fassen? - Der Glockenturm.


Was ich jetzt oben an der Spitze des Glockenturms erkenne lässt mir Schauer der Ehrfurcht über den Rücken laufen:

Gold! Hell leuchtend gegen den blauen Himmel haben die Baumeister: Eine Krone als Spitze gesetzt. Corona. Aber eine ,die auf den Himmel und seinen König verweist.


Ich bin beseelt von diesem Hoffnungszeichen. Geh, liebe Hörerin und lieber Hörer , geh hin und sieh es dir selbst an.


Diese Minuten an der Seite unserer Kirche waren für mich wie ein reinigendes Bad: Meine Dunkelheit und meine Ängste und Sorgen wurden gemildert durch diesen kleinen, nachdenklichen Meditations-Gang.


Ich bete: Oh, Gott, danke für diesen Sonnenberg in Neukirchen. In Aventoft, Rodenäs oder überall wo eine Kirche steht und wo ein Friedhof uns an den Tod erinnert. Aber eben vor allem an das Leben. Das ewige Leben. Glück hier in Coronazeiten. Halt und Geborgenheit.


Gott. Du Schöpfer und Bewahrer. Du bist der König. Du hast die Krone auf. Die Krone des Lebens ist heller als alles was uns an Seuchen je begegnen kann.


Der Psalm 18 fällt mir ein. Wie ging der noch?


Ich bleibe stehen, google und lese ihn vom Handy ab:


Herzlich lieb hab ich dich, Herr, meine Stärke! Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heils und mein Schutz! Ich rufe an den Herrn, den Hochgelobten,so werde ich vor meinen Feinden errettet. Es umfingen mich des Todes Bande,und die Fluten des Verderbens erschreckten mich.Des Totenreichs Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich. Als mir angst war, rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott.Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel, und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren.Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich aus großen Wassern. Der Herr ward meine Zuversicht. Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir. Der Herr lebt! Gelobt sei mein Fels! Der Gott meines Heils sei hoch erhoben. Darum will ich dir danken, Herr, und deinem Namen lobsingen.



Und ich gehe singend ins Pastorat zurück: Leise aber trotzig und voller Zuversicht singe ich. Ein bisschen schief, wie es der Landrat singt: „Bleib mal cool. Selbst der härteste Scheiß geht irgendwann einmal vorbei. „


Hoffentlich hat`s keiner gehört? Ach watt: „En lüten beeten Scheef hat Gott leef“.


Bis dann, liebe Hörerin und lieber Hörer. Vielleicht irgendwo auf einem unserer Sonnenberge. Dorthin dürfen wir ja auch immer noch in diesen Zeiten – mit genügend Abstand, versteht sich.


Sehen wir uns in Gott verbunden und von ihm getragen und beseelt?


Erkennungszeichen: Meditationsgang.

Erkennungswort: Psalm 18.

Und das Schlüssellied: „Wenn du durchhängst“…  .


Amen









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Wer Freude am Singen

und an fröhlicher Gemeinschaft hat,

 

Chorwerbung


der ist herzlich willkommen zu den Chorproben der Regionalkantorei Südtondern unter Leitung von Thomas Hansen, an jedem Donnerstag um 20.00 Uhr im Neukirchener Pastorat.

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